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Seit dem Jahreswechsel 2024/2025 gilt für Schweizer Banken das Regelwerk «Basel III». Im Folgenden wollen wir der Frage nachgehen, um was es sich bei «Basel III» eigentlich handelt, welche Banken davon betroffen sind und welche nur geringfügig bzw. gar nicht. Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zuerst einmal einige Jahre zurückblenden. Basel III ist das letzte Puzzle-Teil in der regulatorischen Antwort auf die globale Finanzkrise 2007 und 2008, deren Hauptursache viel zu tiefe Eigenkapitalausstattungen der Banken und das Eingehen zu hoher Geschäftsrisiken waren. In der Kombination führte das in der Folge fast zum Meltdown des globalen Finanzsystems.
Um was geht es bei Basel III?
Im Mittelpunkt der Umsetzung der Basel III Final Standards – so der gängige Begriff – in der Schweiz steht, dass Geschäftsbereiche von Banken, die mit erhöhten Risiken behaftet sind, mit höheren Eigenmitteln beziehungsweise diejenigen Geschäftsbereiche mit tieferen Risiken mit weniger Eigenmitteln unterlegt werden müssen. Zu diesem Zweck wurde Ende 2023 vom Bundesrat eine entsprechende Änderung der Eigenmittelverordnung (ERV) für Banken angenommen und in Schweizer Recht überführt. Bei Basel III handelt es sich um ein umfassendes Reformpaket des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (BCBS), mit dem besonders die Solvenz und Liquidität im Bankensektor gestärkt werden sollen.
Basel I – 14 Jahre Vorlaufzeit
In Anbetracht der Tatsache, dass das Finanzsystem hohe Risiken birgt und deswegen aus behördlicher wie auch wirtschaftlicher Sicht die Gefahr einer Bankenkrise gering zu halten ist, müssen Bankinsolvenzen vermieden werden. Als Folge von Bankenkonkursen in den 70er und 80er Jahren beschloss der in der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) eingebettete Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS=Basel Commitee on Banking Supervision) Richtlinien für die Banken der G10 Länder, die allerdings erst 1988, 14 Jahre nach den ersten Treffen (1974), in Kraft traten.
Zentraler Punkt von Basel I stellte die Mindestkapitalausstattung von 8% dar und damit risikoreiche Bankkredite abzusichern. Zur Berechnung wurden vier verschiedene Risikoklassen unterschieden:
- 0% Gewichtung für Kredite an staatliche Schuldner;
- 20% für Kredite an Banken;
- 50% für grundpfandrechtlich gesicherte Realkredite;
- 100% für Kredite an alle anderen Risikoaktiva
Allerdings reifte mit der Zeit die Erkenntnis, dass die Berechnungsmethode unzureichend war und die Banken nicht genügend gegen hohe Verluste abgesichert waren. Aus dieser Erkenntnis kam es 1999 zu neuen Verhandlungen, die fünf Jahre andauerten.
Basel II – Nur noch 5 Jahre bis zur Einigung
Im Jahre 2004 einigten sich die Vorstände der Zentralen Notenbanken und die Aufsichtsbehörden der führenden Industrieländer und verabschiedeten die verbindlichen Richtlinien, die mit dem Jahreswechsel 2006/2007 in Kraft traten. Neben der Eigenkapitalquote stand bei Basel II das Risiko bei Kreditgeschäften, d.h. das Risiko eines Zahlungsausfalles im Brennpunkt. Es entstanden daraufhin drei sich ergänzende Säulen, welche ein sicheres Finanzsystem garantieren sollten:
- Mindesteigenkapitalanforderung
- Bankaufsichtliche Überprüfung
- Erweiterte Offenlegung und Marktdisziplin der Banken
Basel III Final – Auswirkungen bis auf Kundenebene spürbar
Hierbei handelt es sich um ein umfassendes Reformpaket des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (BCBS) mit dem Ziel, insbesondere die Solvenz und Liquidität der Banken zu stärken. Der BCBS hatte das finalisierte Rahmenwerk zu Basel III bereits im Dezember 2017 verabschiedet und im Februar 2019 mit einem überarbeiteten Mindeststandard für Marktrisiken vervollständigt. Zu bemerken ist, dass die Umsetzung der Basel III Final Standards in der Schweiz geraume Zeit vor der Notübernahme der Credit Suisse durch die UBS im März 2023 angegangen wurde. Die Notwendigkeit dieser im Nachgang heftig umstrittenen Übernahme wurde durch diese Krise zusätzlich unterstrichen.
USA sagen Nein – Schweiz prescht in der Umsetzung einmal mehr vor
Interessant an dieser Stelle anzumerken ist, dass der i.d.R. grösste Reformtreiber, die Vereinigten Staaten von Amerika (USA), die Einführung von Basel III Final sistiert haben, was in der derzeitigen politischen Konstellation nicht weiter verwundert. Demgegenüber prescht die Schweiz auch bei Basel III Final vor und spielt auch hier den Musterknaben, ähnlich wie schon im Steuerstreit mit den USA, der Einführung von Mindestgewinnsteuern auf OECD-Ebene etc. Unbesehen dieser politischen Lage werden die Regeln für Schweizer Banken jetzt verschärft, während die US-Rivalen im Begriff sind, die Bremsen zu lockern.
Die eingangs erwähnte Anpassung der Eigenmittelverordnung (ERV) ist der letzte Baustein des umfassenden Reformwerks Basel III, das darauf abzielt, nicht nur einzelne Banken, sondern das Bankensystem per se widerstandsfähiger zu machen und bei der Berechnung von erforderlichen Eigenmitteln mehr Transparenz zu erreichen. Basel III Final Standards beinhalten bedeutende Neuerungen insbesondere im Bereich operationeller Risiken.
Übergeordnetes Ziel von Basel III bleibt die Stabilität des Finanzsystems
Basel III folgt den durch die globale Finanzkrise 2007 aufgedeckten Missständen im Kreditgeschäft. Diese führten dazu, dass damals einige Banken mit staatlichen Mitteln gerettet werden mussten, da sie sich mit riskanten Kreditgeschäften verspekuliert hatten. Um dem entgegenzuwirken, sieht Basel III eine Verschärfung der Eigenkapitalquote und des Kernkapitals von 4% auf 6% vor. Hinzu kommt ein sogenannter Kapitalerhaltungspuffer zur Abfederung von Problemkrediten. Ziel war es, die Banken so gut mit Eigenkapital auszustatten, dass sie künftige (Finanz)Krisen aus eigener Kraft abfedern können und keine staatlichen Rettungsaktionen nötig werden.
Wieso braucht es Basel III?
Die bisherige Bankenregulierung wies immer noch Defizite auf, die Basel III wenn nicht ganz beheben, so doch zumindest richtig adressieren kann. So beispielsweise im Bereich der Ermittlung der Beleihungswerte und der Ermittlung der individuellen Tragbarkeitskriterien bei Hypothekarkrediten. Banken werden wohl vorsichtiger bei der Vergabe sein und weniger Ausnahmen von ihrer Kreditpolitik zulassen. Damit verbunden wären höhere Anforderungen an das Eigenkapital. Ebenso könnte eine genauere Prüfung ihrer Kreditwürdigkeit verlangt werden. Wurde anfangs noch ein Anstieg der Hypothekarzinsen befürchtet, relativierte sich diese Befürchtung angesichts des deutlichen Rückgangs der Leitzinsen.
Die neuen gesetzlichen Vorgaben figurieren unter dem Begriff Fundamental Review of the Trading Book (FRTB). Sie beschränken die Möglichkeit von Banken, eigene Risikomodelle für die Berechnung der risikogewichteten Vermögen anzuwenden. Ein wichtiges Ziel von Basel III Final stellt die Erhöhung der Risikosensitivität der Eigenkapitalunterlegung sowie eine bessere Systemstabilität dar
Basel III wurde als Resultat der Defizite der bisherigen Bankenregulierung konzipiert, welche durch die globale Finanzkrise 2008 sichtbar wurden.
Risikoreiches Investmentbanking betroffen
Die neuen Basel III Richtlinien, die in der Schweiz zu Beginn 2025 in Kraft getreten sind, bringen vor allem auch für künftige oder bestehende Immobilienbesitzer Änderungen mit sich. Hierzu zählen strengere Kreditvergabekriterien und potenziell höhere (Zins)Kosten aufgrund veränderter Risikoeinschätzungen.
Allerdings zeigen erste Auswertungen und Stimmen, dass vor allem im risikoreicheren Investment Banking tätige Finanzinstitute mit höheren Eigenkapitalunterlegungen konfrontiert sind. Prominentestes Beispiel ist die UBS, die vehement gegen die erhöhten Anforderungen kämpft. Dagegen wird es für hauptsächlich im Inland- und Hypothekargeschäft tätige Privat-, Kantonal- und Regonalbanken, wenn überhaupt, nur marginal teurer bzw. z.T. sogar billiger. Diese Erkenntnis sollte deren Börsenbewertung eigentlich unterstützen.
Unternehmensauskünften und einer Analyse der ZKB zufolge variieren die Auswirkungen unter Basel III auf die CET1-Quote mit einer Spannbreite von-2.25% (Julius Bär) bis zu +1% (BCV). Hierin sind auch Vontobel, Cembra, EFGI, SGKB und LLB enthalten. Die Auswirkungen der Änderungen der Risikogewichtung für diejenigen Banken, die den sogenannten Standardansatz verwenden, zeigen mehrheitlich sowohl für selbstgenutztes Wohneigentum in der Schweiz wie auch im Ausland sowie für andere Wohnimmobilien im In- und Ausland in Richtung tieferer Risikogewichtung.
Somit alles halb so schlimm?
Auf den ersten Blick ja. Jedoch muss die Praxis weisen, dass die ermittelten Einflüsse wirklich so tief sind. Sichtlich härter dürfte es die Immobilieninvestoren treffen, da sie zuerst die Auswirkungen der restriktiven Kreditpolitik der Banken besonders bei Entwicklungs- und Renditeliegenschaften zu spüren bekommen.